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DAS BILD 23.12

Ballenstedt
Schloß, Figurengruppe


 
„Bald aber unterschied ich auch noch etwas ganz anderes. Unter dem Bette der Eltern begann es sich zu regen und zu bewegen, – und siehe da! – ein scheußliches Gesicht erschien: das eines Bären. Dann folgte eine ungeheure Tatze, und im Umsehen war die ganze Ungestalt des Raubtieres vorgekrochen. Ihm folgten andere Tiere, und es war unglaublich, was aus dem engen Raume unter den Betten alles vorquoll. Da waren Wölfe, Panther, Löwen, Vielfraße, Ameisenlöwen, Dachse, ja der ganze Inhalt meiner Arche Noä war zu natürlicher Größe angeschwollen.
Das größte Entsetzen flößte mir ein Kalb ein. Es nahte sich meinem Bett auf sehr bedenkliche Weise, und die Schandtat sah ihm aus den Augen. Ich wollte schreien; doch mußte ich fürchten, mich dieser Bestie nicht noch bemerklicher zu machen, und hielt ein Weilchen an mich. Bald aber steigerte sich die Angst dermaßen, daß ich, mit Hintansetzung aller klugen Rücksicht, dennoch laut und vernehmlich in die Lärmtrompete stieß.“

Wilhelm von Kügelgen: Jugenderinnerungen eines alten Mannes
 


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  1. 13. Juni 2012 um 13:39

    *grins* Ein Kalb, dem die Schandtat aus den Augen schaut… Welch ein Mar, welch ein Albtraum!

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